Im Oktober fällt das Laub, und ein paar Wochen später steht das Wasser über der Rinnenkante und läuft an der Fassade herunter. Bis zum Frost ist das nur unschön. Danach wird es teuer, denn stehendes Wasser gefriert, dehnt sich aus und verbiegt Halter und Rinne. Wer die Dachrinne reinigen will, hat dafür ein klares Zeitfenster: nach dem letzten Laubfall und vor dem ersten Dauerfrost.

Wer die Dachrinne reinigen will, braucht das richtige Intervall

Einmal im Jahr ist das Minimum, zweimal ist bei Bäumen in der Nähe realistisch. Der Herbsttermin nach dem Laubfall ist der wichtigere, ein zweiter im Frühjahr fängt ab, was über den Winter hineingeweht wurde.

Das Intervall hängt stark vom Bewuchs ab. Ein freistehendes Haus in der Feldmark kommt jahrelang mit einer Kontrolle aus. Ein Haus unter Buchen oder in einer alten Allee braucht zwei bis drei Durchgänge. Nadelbäume sind besonders lästig, weil Nadeln fein sind, tief in den Ablauf rutschen und sehr langsam verrotten.

Sie merken selbst, wenn es zu selten war. Überlaufende Rinnen bei mittlerem Regen, Gluckern im Fallrohr, langsam ablaufendes Wasser am Einlauf und grüner Bewuchs auf der Rinnenkante sind eindeutige Signale.

Sicherheit steht vor Gründlichkeit

Die meisten Unfälle rund um die Dachrinne passieren nicht am Dach, sondern auf der Leiter. Eine Anlegeleiter braucht rutschfeste Füße, festen und ebenen Untergrund und den richtigen Anstellwinkel von etwa 65 bis 75 Grad. Auf weichem Rasen oder nasser Erde hat sie nichts verloren, dort gehört eine Bohle unter die Füße.

Rücken Sie die Leiter lieber einmal mehr um, statt sich seitlich hinauszulehnen. Als Faustregel gilt: Wenn der Bauchnabel über die Leiterholme hinaus wandert, ist der Punkt erreicht, an dem umgesetzt werden muss.

Bereiten Sie alles vor dem ersten Aufstieg vor. Eimer am Haken, Handschuhe an, Rinnenschaufel oder Kelle griffbereit. Jeder unnötige Abstieg kostet Zeit und ist zusätzliches Risiko. Bei Häusern mit mehr als zwei Geschossen, bei steilen Dächern und überall dort, wo Gauben im Weg sind, ist ein Fachbetrieb mit Gerüst oder Hubsteiger die richtige Wahl.

Die Reinigung in der richtigen Reihenfolge

Beginnen Sie am höchsten Punkt der Rinne und arbeiten Sie in Richtung Fallrohr, also mit dem Gefälle. Groben Schmutz nehmen Sie mit der Hand oder einer Kunststoffkelle heraus, Metallwerkzeug zerkratzt die Beschichtung und schafft Ansatzpunkte für Korrosion.

Behandschuhte Hände reinigen eine Dachrinne und räumen nasses Laub mit einer Kunststoffkelle aus

Beim Dachrinne reinigen immer vom höchsten Punkt Richtung Fallrohr arbeiten. Kunststoff statt Metall, sonst zerkratzt die Beschichtung und gibt der Korrosion einen Ansatzpunkt.

Wenn die Rinne leer ist, spülen Sie mit dem Gartenschlauch nach und beobachten, wohin das Wasser läuft. Bleibt irgendwo eine Pfütze stehen, stimmt das Gefälle nicht mehr. Zwei bis drei Millimeter Gefälle pro laufendem Meter Richtung Fallrohr sind der Richtwert, und über die Jahre verändert sich das, weil Halter nachgeben.

Das Fallrohr wird gern vergessen, und dann bringt die saubere Rinne wenig. Testen Sie den Durchfluss mit dem Schlauch von oben. Läuft es nicht ab, hilft eine Rohrreinigungsspirale, die Sie von oben einführen und drehen. Ein Laubfangkorb am Einlauf verhindert die meisten Verstopfungen im Rohr.

Der Herbstschnitt aus der Rinne ist gutes Kompostmaterial, solange es Laub ist. Nadeln verrotten sehr langsam und gehören eher in die Biotonne.

Was Sie beim Rundgang sonst noch sehen sollten

Wenn Sie schon oben sind, lohnt der prüfende Blick auf die Konstruktion. Sitzen die Rinnenhalter fest oder haben sich Schrauben gelöst? Sind einzelne Halter verbogen, was auf eine frühere Eislast hindeutet?

Hand prüft einen Rinnenhalter an der Traufe, daneben ein verbogener Halter und eine Lötnaht

Verbogene Halter sind fast immer die Spur einer früheren Eislast. Risse in der Naht sieht man nur an der trockenen und sauberen Rinne, deshalb lohnt der Blick direkt nach der Reinigung.

Kontrollieren Sie die Verbindungsstellen. Bei Zinkrinnen sind das Lötnähte, bei Kunststoffrinnen Dichtungsgummis in Steckverbindern. Kleine Risse und poröse Gummis sieht man gut, wenn die Rinne trocken und sauber ist, und nur dann.

Metallrinnen brauchen Platz zum Arbeiten. Zink dehnt sich bei Temperaturwechsel spürbar, und deshalb gehören in längere Stränge Dehnungselemente. Fehlen sie oder sind sie festgesetzt, reißen die Nähte irgendwann an der schwächsten Stelle. Bei Rinnen über etwa 15 Metern Länge ist das ein Punkt für den Fachbetrieb.

Schauen Sie außerdem unter den Dachüberstand. Dunkle Verfärbungen am Holz der Traufe zeigen, dass hier schon länger Wasser übergelaufen ist.

Laubschutz hilft, ersetzt aber keine Kontrolle

Laubgitter, Bürsten und Rinnendeckel reduzieren den Aufwand deutlich, vor allem in Lagen mit viel Baumbestand. Sie sind eine sinnvolle Investition, wenn Sie sonst zweimal jährlich auf die Leiter müssten.

Wundern Sie sich aber nicht, wenn trotzdem etwas hineinkommt. Feiner Abrieb, Blütenstaub, Nadeln und Moos passieren die meisten Systeme, und unter einem dicht zugesetzten Gitter sammelt sich der Schmutz oben statt in der Rinne. Ein Laubschutz verlängert das Intervall, er schafft es nicht ab.

Rinnenbürsten sind einfach nachzurüsten, setzen sich aber am schnellsten zu. Aufgeklipste Gitter halten länger sauber, müssen aber für die Reinigung wieder abgenommen werden. Fest verschraubte Systeme reduzieren den Aufwand am stärksten und machen die jährliche Sichtprüfung am umständlichsten.

Frost ist der eigentliche Feind

Solange Wasser fließt, richtet es keinen Schaden an. Problematisch wird es, wenn Reste in der Rinne stehen bleiben und über Nacht gefrieren. Eis dehnt sich aus, drückt gegen Rinnenkanten und Halter und verformt sie dauerhaft.

Vereiste Dachrinne mit Eiszapfen an der Traufe, darüber Schnee auf den Dachziegeln

Dicke Eiszapfen sind selten ein Rinnenproblem. Sie zeigen meist, dass Wärme aus dem Dachgeschoss den Schnee anschmilzt und das Wasser an der kalten Traufe wieder gefriert.

Der zweite Frostschaden entsteht im Fallrohr. Steht dort Wasser über einer Verstopfung, sprengt das Eis im Extremfall das Rohr auf. Sichtbar wird das erst im Frühjahr, wenn es an einer aufgerissenen Naht heraussuppt.

Ein dritter Punkt hängt am Dach selbst. Wenn Wärme aus dem Dachgeschoss den Schnee auf der Fläche anschmilzt, läuft das Wasser bis zur kalten Traufe und gefriert dort erneut. Es entsteht ein Eisstau, der das nachfolgende Wasser unter die Ziegel drückt. Wer regelmäßig dicke Eiszapfen an der Traufe hat, sollte weniger über die Rinne und mehr über die Dämmung der obersten Geschossdecke nachdenken.

Wann der Fachbetrieb dran ist

Bei allem, was mit dem Gefälle, mit Lötnähten oder mit der Befestigung zu tun hat, endet die sinnvolle Eigenleistung. Eine Rinne neu einzumessen und auszurichten ist Handwerksarbeit, und eine falsch justierte Rinne verursacht dieselben Probleme wie eine verstopfte.

Eine gründliche Inspektion aller fünf bis sieben Jahre durch einen Dachdecker oder Klempner deckt auf, was von der Leiter aus nicht zu sehen ist: Zustand der Unterspannbahn an der Traufe, Anschlüsse an Gauben, Traufblech und Rinneneinhang.

Beim Angebot achten Sie darauf, dass Fallrohre und Ablaufschächte ausdrücklich enthalten sind. Sonst steht am Ende eine saubere Rinne über einem verstopften Rohr.

Zwei Stunden im November

Leiter sichern, Rinne von oben nach unten leeren, spülen, Fallrohr testen, Halter und Nähte anschauen. Danach wissen Sie, ob Ihr Haus den Winter trocken übersteht, und Sie haben die Chance, kleine Dinge zu reparieren, solange sie noch klein sind. Der beste Zeitpunkt ist der Tag, an dem der letzte Baum in der Nachbarschaft kahl ist.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI